Donnerstag, 22. April 2010

Vulkanstaub & Erlösung!

Jetzt ist sie da. Die Apokalypse. Ich habs euch gesagt. Das wären meine Worte gewesen, als ich das erste Mal von der Luftraumsperre über der britischen Insel gehört habe. Monster-Vulkanausbruch in Island...der unbeschreibliche Mengen an Staub in den Himmel bläst, und früher oder später die Sonne verdunkeln wird. Flüge werden gestrichen. Hunderte, ja tausende Passagiere und Tonnen von Fracht sitzen fest. Nichts geht mehr. Auch in Deutschland, unserem Nachbar werden bereits die ersten Flughäfen gesperrt. Die Todeswolke wird früher oder später auch uns erreichen. Und der Vulkan gibt weiter Gas. Ich sehe bereits das Klima verändert, und die nächste Eiszeit heranrücken. Genau. So sind sicher auch die Dinosaurier ausgestorben. HundertPro. Aber muss das genau in meinem Lebens-Funken von vielleicht 80 Jahren, gemessen an der Ewigkeit des Erdzeitalter passieren? Na genau. Andererseits...es beschleicht mich ein seltsames Gefühl des mentalen Händereibens und ich kann meiner Braut am Abend, während dem Tacklepacken, mit einem breiten Grinser bereits Länderein versprechen: "Du Isa, jetzt wo die Welt untergeht, kannst du froh sein mit so einem Narren, Semi-Trapper und Fallensteller wie mir, zusammen zu sein. Jetzt kummt mei Zeit. Die Zeit derer, die sich nicht davor fürchten, in der freien Wildbahn ihre Nahrung zu besorgen. Egal wie. Die Zeit der Buschmenschen und Gnadenlosen. Und ich werde gut sein..."Nachdem sie mittlerweile auch unseren Flugraum gesperrt hatten, es kristallklar war, daß nun das Ende des Europas wie wir es kennen, vor der Tür stand und sich schwerste Ratlosigkeit der Menschheit von den Medien abinterpretieren ließ, genoss ich meinen baldigen Aufstieg in der Hierarchie der Beute-Schemata. Am Wasser. Wo sonst. Die Fische würden nun nach all den trostlosen Tagen, dank Regen und Vulkanstaubkonzentration wissen, daß das Ende nahe war und nun zum letzten Abendmahl heranschreiten. Jetzt war die Chance. Die musste man nutzen.
Und ich war bereit.Samstag, 9 Stunden später muss ich Resumee ziehen. Ausser 3 wirklich guten Rotfedern am feinen Geschirr vormittags, keinerlei Sensationen. Super Wetter. Die Sonne schien vom Himmel, ein leichter Wind strich durch mein Haar und die Vögelchen zwitscherten fröhlich in den Weltuntergang hinein. Und kein Flugzeug war am Himmel auszumachen. In der Einflugsschneise von Schwechat eine Rarität. Die Ruhe vor dem Sturm sicherlich. Scheiss Vulkanstaub. Abermals keinerlei Aktivität an den Karpfenködern. Wo waren die alle seit Wochen? Oder haben sie bereits viel früher als wir festgestellt, daß nun die Zeit der Abrechnung gekommen war, deshalb entschieden nichts mehr einzuschneiden, da es ja ohnehin sinnlos war sich unnötig bei der Nahrungssuche anzustrengen, wenn man wusste, daß man bald im Eis eingefroren war? Sicher wussten die das schon früher. Ich erinnere an meine November-Session vom letzten Jahr, wo bereits die ersten Anzeichen zu spüren waren...Na geeeeeeeeeh. Sicherheitshalber füttere ich noch ein gutes Kilo Kugeln an meinen bevorzugten April-Spot, bevor ich mit einem lachendem und einem weinenden Auge mein Tackle retour ins Auto packe. Morgen würde ich wieder kommen. Wer weiß, wie lange wir hier in Österreich noch fischen können? Bei Tageshöchstemperaturen von -20°C, 12 Monate im Jahr, wird das nicht einfach werden. Und ich kam wieder. Sonntag. Nicht mit Matchrute rumspielen und auf die Urgroßmutter der Rotfedern hoffen. Nein. Konzentration auf Kamerad Rüsselschwein. Nur. Am Wasser angekommen, empfingen mich sogleich die Raubschergen der Lüfte, die vermutlich nach der letzten Maus oder Ratte Auschau hielten, um sich für ihren Flug in den Süden zu stärken. Da war ja bald Sendepause...Und heute war alles anders. Dichte Wolkendecke und brutaler Ostwind, der mir logischerweise am Westufer feinstens in die Fresse blies. Ohne Übertreibung, äusserst unangenehm. Während ich gestern mit T-Shirt und Sonnenbrille lässig am Ufer gesessen bin und den weissroten Freunden nachgestellt habe, musste ich heute mit Winterjacke und Haube in die Schlacht ziehen.Das Ende war nah. Man konnte es förmlich riechen. Einerseits schade irgendwie, andererseits ... ;). Trotzdem hätte ich vorm Untergang noch einen feinen Rüssler gefangen. Bloss so. So einen Vulkanstaub-Fisch, mit dessen vergilbten Foto man dann nach veilen Jahren irgendwo unter einer verschneiten Brücke bei den anderen Überlebenden reinfetzen kann. Wenn man neben der brennenden Öltonne zittrig, mit vernarbten, gebrauchten Fingern in die Manteltasche greift und mit feuchten Augen das kleine Stück Papier stolz hervorzaubern kann. Das war er. Der letzte Fisch, den ich vor "der Umstellung" gefangen habe. Jaaa, Kinder der neuen Eiszeit. So haben Fische ausgesehen. 11:30 und ein dezenter Pieper holt mich aus meiner Vision. Uhh. Der Swinger der linken Rute ist um ungefähr 5cm gefallen. Ich starre auf den visuellen Anzeiger. 15 Sekunden vergehen. Das wars. Scheisse. Sicher nur Schnurschwimmer oder Weisser. Und im selben Augenblick läuft die Mühle ab, als wenn es kein Morgen gäbe. Was für ein treffender Vergleich in unserer Situation. Seltsamerweise bin ich überhaupt nicht nervös beim Herstellen des Kontaktes, obwohl mir bewusst sein müsste, daß dies der letzte Biss meines Lebens sein konnte. Egal. Alles läuft wie am Schnürchen. Und dann habe ich ihn. Meinen Vulkanstaubfisch. Jawohl.
Allerfeinste Schuppenware...danke für diese Erlösung.Jetzt konnte er kommen, der Untergang Europas. Ich war befriedigt. Wenig später bestätigten die nächsten kapitalen Boten der Apokalypse alle Vermutungen bezüglich der drohenenden Vernichtung. So ähnlich wie mit den 10 Plagen im 2ten Buch Mose des Alten Testaments. Meloe proscarabeus / Schwarzblauer Ölkäfer. Und ein wahres Monster.So ein Weltuntergang ist eigentlich wie ein Lottosechser. Das Schwein muss man mal haben, sowas mitzuerleben. Wer kann das schon behaupten? Na, da werden sie jetzt schön schauen, die Geld, Karriere-u. Machtgierigen, die soviel Unheil über unseren Planeten gebracht haben. Was ihnen das alles nutzt, wenns wieder aufs Wesentliche ankommt. Wie hat Wolfgang Pekny so passend erwähnt: Bald werden wir alle nicht mehr ruhig schlafen können. Die Einen, weil sie Hunger haben, die Anderen, weil sie vor den Hungernden Angst haben.
Und plötzlich läuft die Leine zum zweiten Mal von der Rolle. Jooooooooooooo. Vulkanstaubfisch und Hölleneintrittskarte Nummer 2. Der Sludge ist bereit für den Übertritt...Hehehe. So konnte man ein wenig später, äusserst gut gelaunt, den Heimweg antreten und das Wochenende höchst befriedigt mental abschliessen. Morgen war Montag. Normalerweise nicht gerade der Tag unter der Woche auf den man sich am meisten freute. Arbeitsbeginn. Aber in Anbetracht der Tatsache, daß demnächst sowieso kein Überlebender der schleichenden Katastrophe einer normalen Arbeit nachgehen wird, war der Wochenbeginn diesmal halb so schlimm. Vielleicht wars ja ohnehin der Letzte...
Und sollte wider Erwarten, der Untergang Europas doch nicht eintreten, hab ich zumindest 2 Wasserschweine mehr am Konto ;)
tight lines
Sludge

Mittwoch, 31. März 2010

Marokko Moments

Trotz der langen Winterpause, in der uns das Eis zum Nichtstun verdammte,hat unser best slide-show-maker Kurt bis jetzt gebraucht, um die paar Bilder aus unseren 3 Marokko-Urlauben aneinanderzureihen und mit etwas Musik zu untermalen. Mit etwas Regieanweisung und Gscheidreden meinerseits ist im das aber dann doch recht gut gelungen. Somit wünsche ich viel Spaß beim Anschauen und einen guten Start ins neue
Angeljahr! -> MarokkoMoments ( falls der lokale Player nicht funkt, einfach mit dem klassischen Rechtsklick und "Save target under..."-Trick das Video runterladen und anschließend mit gewünschtem Player abspielen )

Schurl

Sonntag, 7. März 2010

Trapmaster Issue 2 ONLINE !

Es ist wieder soweit und die nächste Ausgabe des Trapmaster ist fertig. Viel Spaß damit und möge die dunkle Macht auch weiter mit uns sein...tight lines
Sludge

Freitag, 29. Januar 2010

Trapmaster Tales Ausgabe 2 im Anmarsch !

Nun stehen wir schon wieder voll im 2010er Jahr, haben die "Weihnachts- u. Silvesterfreuden" lange hinter uns gelassen, und alles läuft mehr oder weniger wieder seine gewohnten Bahnen. Bis auf die Tatsache, daß durch die momentane klimatische Garstigkeit an ein Fischen nicht zu denken ist. Wenn ich da an die fette Eisdecke und die höllischen Minusgrade an meinen Gewässern denke, könnte ich heulen. Da helfen mir auch keine Sprüche, wie : "Jo, des normal im Jänner...". AUS! Das interessiert mich nicht. Was is scho normal? Wo is diese beschissene Klimaerwärmung? Der Treibhauseffekt? Wo? Bei uns scheinbar noch nicht angekommen . Aber egal jetzt. Resultierend aus dieser Misere gibt es dennoch etwas Positives abzugewinnen. Denn dank der durchwegs positiven Resonanz zur ersten Ausgabe des Trapmaster, und etwas mehr Zeit in den 4 Wänden als üblich, kann ich bereits Ausgabe Nummer 2 für Ende Februar/Anfang März ankündigen. Hoffentlich gefällt´s abermals. Ich werde mich bemühen ;) . Und der gefühlte Frühling kommt auch mit Sicherheit. Früher oder später. Würde mich trotzdem nicht ärgern, wenn er besser früher als später dran wäre...

tight lines
Sludge

Montag, 11. Januar 2010

Gute Zeiten, schlechte Zeiten!

26. Dezember! Endlich beginnt mein schon zur Tradition gewordener Silvester- Angelurlaub!
Wie schon letztes Jahr war der Bin El Quidane in Marokko das Ziel und auch mein langjähriger Angelpartner Michl war wieder mit dabei.
Alles wie gehabt, nur diesmal hatten wir mit dem See noch eine kleine Rechnung offen, der hammerharte, lupenreine Blank vom Vorjahr schmerzt immer noch ganz schön!
Okay, auch in Marokko ist Winter und die Bedingungen sind um diese Zeit nicht die Besten, aber es gibt genug Fische, die 2500 Hektar dürfen auch keine Entschuldigung sein, also werden wir doch nicht 2 mal hintereinander ohne Fisch heimfahren?!

Die Anreise verlief eigentlich fast ohne Probleme, obwohl es eigentlich nicht mehr viel gibt das uns noch erschüttern könnte, und sogar unser Fahrer wartete diesmal vorm Flughafen und nicht wie beim letzten Mal in einer anderen Stadt!
Kurz nach 6 Uhr morgens standen wir am See, um 7 an unserem ersten Platz am linken Ende der Bucht beim Basiscamp (an dem wir dann aber bis zum Ende blieben) und schon vor Mittag warteten unsere Ruten auf den ersten Marokkaner.
Allerdings war die ersten 3 Tage absolute Funkstille- sollte es etwa doch möglich sein???

Am 30. Dezember erlöste uns ein Babykarpfen und in der nächsten Nacht blies uns ein kräftiger Wind wohl eine große Zahl an Fischen an unseren Platz!
Was danach folgte war einfach nur vom Feinsten- meistens Sonne, milde Nächte und täglich mehrere Karpfen! Wie einfach es doch sein kann!
Wir fischten in ca. 100 Meter Entfernung an einer Kante die von 5 auf 9 Meter verlief, und die Bisse kamen auf allen Ruten, was darauf schließen ließ, das die Fische permanent am Platz waren.

Insgesamt verbrauchten wir fast 200 Kilo Mais und Boilies, aber auch die dreifache Menge wäre nicht zuviel gewesen. Die meisten Bisse bekam ich auf Atlas-Boilies, eine recht einfache aber sehr wirkungsvolle Kugel die unten hergestellt wird.
Einziger Wehrmutstropfen- der Großteil der Karpfen war unter 5 Kilo, da aber jeden Tag zumindest ein größerer dabei war, mussten wir in den sauren Apfel beißen und uns durch die Unmengen an Babys „durchfischen“! Außer uns waren 5 Italiener am See und konnten insgesamt nur 5 Kleine fangen, das und natürlich unser Ergebnis vom Vorjahr ließ uns aber die Gewichte vergessen!

Nahezu alle Karpfen waren gut genährt und kugelrund, zum Teil wirkten sie als würden sie zerplatzen. Auch ein „Quasimodo“ verirrte sich auf eine meiner Ruten, aber trotz mehrfach verkrümmten Rückgrad war er wohlgenährt.
Die Kampfkraft der marokkanischen Karpfen ist unbeschreiblich, und manchmal fuhr ich 15 Minuten hinter einem 10 Kilo Fisch mit dem Boot hinterher!
Leider verloren wir einige gute Fische da wir aufgrund des immer wieder aufkommenden Sturmes nicht ins Boot konnten! Kein gutes Gefühl mit gekrümmter Rute am Ufer zu stehen und das Ergebnis schon fast sicher zu wissen!
Am drittletzten Tag hatten wir mit 16 Bissen den Rekord und freuten uns schon auf das Finale! Allerdings kam dann eines der schwersten Unwetter das ich je erlebt habe auf, und wir verbrachten die letzten 2 Tage fast ausnahmslos im Zelt!

Die Heimreise war dann wieder so wie es eigentlich für uns „normal“ ist, alles aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Schneesturm im Atlasgebirge kombiniert mit Heckantrieb und Sommerreifen waren nur der Anfang, zum Teil schikanöse Kontrollen in Casablanca, eine Horrorlandung im Schneesturm von Frankfurt, ein gestrichener Weiterflug und eine 7 stündige ICE-Fahrt nach Wien gekrönt von verschwundenem Gepäck waren ein „würdiger“ Abschluss unseres Urlaubes!

Erwähnen möchte ich noch den gleich gut gebliebenen Service vor Ort, nette, hilfsbereite Guides und ausreichend Verpflegung!

Danke Marokko, wir sehn uns bald wieder!!!

LG Schurl